Barbarossa Festspiele benötigen längeren Vorbereitungszeitraum
15.06.2012
Stadtrat soll im Juli über Festspiel-Zukunft entscheiden
Die Stadt Altenburg will mit qualitativ hochwertigen Barbarossa Festspielen die Tradition der Altenburger Prinzenraub Festspiele erfolgreich fortsetzen. Der eingeschlagene Weg der Etablierung der Stadt Altenburg als Festspielstadt mit historischen Themen soll weitergeführt werden, allerdings ohne qualitative und konzeptionelle Einschnitte beim neuen Festspielthema Barbarossa.
Gegenwärtig sind für eine erfolgreiche Fortsetzung dieser Festspiele die finanziellen Rahmenbedingungen infolge zahlreicher Unwägbarkeiten nicht gegeben. Oberbürgermeister Michael Wolf schlägt deshalb dem Stadtrat vor, die Barbarossa Festspiele vorerst noch nicht zu beginnen. Im Juli soll deshalb dem Stadtrat eine entsprechende Beschlussvorlage zur Entscheidung vorgelegt werden. Grundanliegen soll darin die weitere Verschiebung der Barbarossa Festspiele auf einen Zeitpunkt nach 2013 verbunden mit einer weiteren Vorbereitung der Festspiele und entsprechender Fortschreibung des Themas Barbarossa in der Stadt Altenburg sein. Verschiedenste Aktivitäten mit Laienschauspielgruppen und Schulen sollen den Geist und die Bereitschaft für die Barbarossa Festspiele zukünftig in der Stadt Altenburg wach halten. "Die Stadt Altenburg verabschiedet sich keineswegs von der nachhaltigen Strategie einer Ausrichtung als Festivalstadt mit eigenen historischen Themen wie z. B. Barbarossa oder Prinzenraub. Es ist der Stadt aber wichtig, das mit den Altenburger Prinzenraub Festspielen gesetzte hohe Level bei Inszenierung, fundierter Produktion, Servicequalität und künstlerischem Anspruch nicht zu verlassen. Um dies sicherzustellen, muss bei den sich abzeichnenden finanziellen Unwägbarkeiten der Stadt Zeit gegeben werden, ihren Haushalt nachhaltig zu konsolidieren, um Kraft und Leistungsfähigkeit für erfolgreiche Barbarossa Festspiele zu haben", so das Stadtoberhaupt.
Die angesprochenen finanziellen Unwägbarkeiten für den städtischen Haushalt stellen sich wie folgt dar:
* Der zukünftige Finanzierungsbedarf für die Theater und Philharmonie Thüringen GmbH ist momentan nicht bezifferbar, da der Ausgang der Verhandlungen zu einem Haustarifvertrag offen und die zukünftige Verteilung des Zuschussbedarfes zwischen dem Landkreis Altenburger Land und der Stadt Altenburg noch nicht ausgehandelt werden konnte. Dies kann eine erhebliche Erhöhung des Zuschussbedarfes der Stadt Altenburg zur Folge haben.
* Die Neuregelung des Kommunalen Finanzausgleiches verbunden mit möglichen Kürzungen des Freistaates birgt ein gegenwärtig nicht kalkulierbares Risiko für den städtischen Haushalt.
* Der Tarifaufwuchs in Folge der Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst bringt zusätzliche Personalkosten in Höhe von ca. 250.000 Euro.
* Mögliche erneute Erhöhungen des Zuschussbedarfes für Kindertagesstätten können momentan nicht ausgeschlossen werden.
* Einmalige zusätzliche Einnahmen im Verwaltungshaushalt 2012 in Höhe von 400.000 Euro müssen ab 2013 zusätzlich kompensiert werden
* Die Zuschauereinnahmen für Barbarossa Festspiele im Altenburger Schloss können infolge des noch fehlenden Brandschutzgutachtens für das Altenburger Schloss nicht verlässlich kalkuliert werden. Die maximal möglichen Zuschauerzahlen liegen noch nicht vor.
* Die Möglichkeiten des 2. Arbeitsmarktes für die Barbarossa Festspiele sind im Gegensatz zu den Prinzenraub Festspielen erheblich eingeschränkt. Es dürfen nur noch Arbeiten im gemeinnützigen Bereich und im öffentlichen Interesse durchgeführt werden. Wirtschaftsnahe Entgeltmaßnahmen sind nicht mehr möglich. Dies führt zu einem zusätzlichen Finanzbedarf für Honorarkräfte vom 1. Arbeitsmarkt über den Zuschussbedarf von 150.000 Euro hinaus.
* Ein möglicher Privatisierungsprozess, der bis zum 01. Januar 2013 zeitlich kaum leistbar ist, führt zu zusätzlichen finanziellen Aufwänden, da städtisches Personal für eine GmbH nicht eingesetzt werden darf. Die Vorteile hinsichtlich der Unabhängigkeit vom städtischen Haushalt und der größeren Flexibilität wiegen dies nicht auf.
* Das Dach der Schlosskirche muss ab 2013 umfassend erneuert werden. Fördermittel will der Freistaat Thüringen in den Jahresscheiben 2013 und 2014 zur Verfügung stellen. Der erforderliche Platzbedarf für Baustelleneinrichtungen bringt erhebliche Einschränkungen für den Schlossinnenhof.
Die Stadt Altenburg hat mit der Entscheidung für eine Empfehlung an den Stadtrat zu den Barbarossa Festspielen bis zum letztmöglichen Zeitpunkt gewartet, weil alle Möglichkeiten für das erfolgreiche Aufführen der Festspiele ausgeschöpft werden sollten. Umfangreiche Abwägungen von Chancen und Risiken haben nunmehr jedoch zu dieser Handlungsempfehlung an den Stadtrat geführt.
Die Stadt Altenburg beabsichtigt bei einer Entscheidung des Stadtrates für einen längeren Vorbereitungszeitraum jedoch konsequent an der Ausrichtung der Stadt als Festivalstadt und Barbarossastadt festzuhalten, um ihren Bekanntheitsgrad weiter auszubauen und um weiterhin nachhaltige Impulse für den Tourismus und den Kultur- und Wirtschaftsstandort Altenburg zu setzen.
Dies soll durch folgende Maßnahmen erreicht werden:
o Fertigstellung des Regiekonzeptes sowie der Musik für das vorliegende Stück
o Schaffen von "Hardfacts" zur Thematik Barbarossa, denn das Thema Barbarossa umfasst in der Stadt Altenburg mehr als "nur die Festspiele"
- Fertigstellung der ständigen Ausstellung in den Roten Spitzen;
- Herstellung der ständigen Begehbarkeit des archäologischen
Areals;
- beginnende feste Öffnungs- und Führungszeiten;
- Einbeziehung des Marktes - als Wirkungsstätte Barbarossas
- Initiierung wissenschaftlicher Veranstaltungen zur Thematik (wie Prinzenraub 2005)
(2013 dazu im März Fachtagung im RSA bereits geplant)
o Initiierung von weiteren Schulprojekten zur Identitätsschaffung
o Überlegungen, zu weiteren Projekten (Bürgertheater?) als feste Einrichtung für diese Stadt, für interessierte ehemalige Mitspieler und Bürger, auch für andere städtische Projekte
o sozusagen "die Saat legen" sowohl in der Stadt als auch im Tourismussektor für die Festspiele als Höhepunkt der touristischen Orientierung in Richtung Barbarossa
o Schaffen von kulturpolitischen Schwerpunkten für die kommenden Jahre, die touristische Anziehungskraft besitzen, z.B. :
- 2013 - 200 Jahre Skat (andocken an 200 Jahre Völkerschlacht bei Leipzig); 300
Jahre Teehaus Altenburg
- 2014 - 450 Jahrestag des Altenburger Rathauses;
Ausstellung zur Reformation und Spalatin im Schloss
- 2015 - 825. Todestag Barbarossas
- 2017 - 500 Jahre Reformation