Gebäude Pauritzer Straße 1
02.07.2012
Grünes Licht für Wiederaufbau
Die Fassade wird zur Zeit durch eine provisorische Stahlkonstruktion gestützt. (Fotos: Ronny Seifarth )
Das durch aufwändige Notsicherungsarbeiten vor dem Verfall bewahrte Gebäude in der Pauritzer Straße 1 soll wieder aufgebaut werden. Der städtische Bauausschuss stimmte entsprechenden Plänen in seiner jüngsten Sitzung mit zehn Ja-Stimmen bei zwei Enthaltungen zu. Das Gebäude gehört zum Denkmalensemble "Kernstadt Altenburg mit Vorstädten". Durch seine Lage im Übergangsbereich zwischen dem Brühl und der Pauritzer Straße hat es eine wichtige Bedeutung sowohl für das Erscheinungsbild und die Gestaltung des Platzes als auch der Straße. Der Brühl als erster Altenburger Markt behält damit seine geschlossene Bebauung.
Vorgesehen ist, das Hauptgebäude weitgehend in seinen ursprünglichen Dimensionen wiederherzustellen. Dazu müssen zunächst Fundamente und tragende Innenwände im Untergeschoss, giebel- und hofseitige Außen- und Innenwände im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss sowie giebelseitige Außenwände im Dachgeschoss neu gebaut werden. Anschließend sollen die Dachkonstruktion errichtet und das Dach mit so genannten Biberschwanzziegeln neu gedeckt werden. Ausbauarbeiten, also etwa die Herstellung von Fußbodenaufbauten sowie Decken- und Wandbekleidungen, sind nicht Gegenstand der Planung. Hauptziel der beschlossenen Maßnahmen ist die Realisierung aller notwendigen Leistungen zur statisch-konstruktiven Wiederherstellung sowie zur Gewährleistung eines ausreichenden Wetterschutzes des Gebäudes. Ein weiteres Ziel ist die Gestaltung der straßenseitigen Fassaden. Der Innenausbau ist Sache des späteren Eigentümers. Die Stadt verfährt hier ähnlich wie mit den ehemaligen Gaststätten "Weißes Ross" und "Schwarzer Bär" (die Pressestelle berichtete).
Vorbehaltlich der Bereitstellung der für die Maßnahme erforderlichen finanziellen Mittel ist aktuell geplant, dass - wenn es keinen vorzeitigen Wintereinbruch gibt - noch in diesem Jahr mit dem Wiederaufbau des Gebäudes begonnen wird. Ende des nächsten Jahres sollen die diversen Arbeiten abgeschlossen sein. Die Kosten summieren sich voraussichtlich auf rund 410.000 Euro, das Gros der Summe, rund 374.000 Euro, sollen Städtebaufördermittel sein. In dem wieder aufgebauten Gebäude können Wohnungen eingerichtet werden, denkbar ist aber auch eine gewerbliche Nutzung.
Die Stadt hatte das zur Altstadt gehörende Haus 2010 erworben. Damals wurden umgehend Maßnahmen eingeleitet, um das prägnante, historisch wertvolle Haupthaus zu erhalten. Gebäudeteile, die nicht mehr gerettet werden konnten, mussten abgerissen werden. Das betraf am Hauptbau das komplette Dach, das Erd- und erste Obergeschoss einschließlich der hofseitigen Fassade sowie alle nicht mehr benötigten Nebengebäude. Lediglich die straßenseitige Fassade und das Kellergeschoss blieben bestehen. Um die straßenseitige Fassade erhalten zu können, wurde eine provisorische Stahlkonstruktion errichtet (die Pressestelle berichtete).
Das Gebäude wurde Anfang des 19. Jahrhunderts errichtet. Ab 1831 beherbergte es die Wohnung und die chemische Fabrik von Wilhelm Louis Bechstein (1803 bis 1888). Bechstein hatte die Idee, mit seinen Brüdern Spielkarten zu produzieren. Bis 1886 wurden tatsächlich Spielkarten der "Gebrüder Bechstein" hergestellt. An der Fassade des Gebäudes ist eine Tafel angebracht, die an Wilhelm Louis Bechstein und seine Brüder erinnert.
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