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Pressemitteilung an ABG-NET.de am 18.07.2007

Sehr geehrter Herr Pfeiffer,

Was ich Ihnen im Anschluss schreibe, ist kaum nachzuvollziehen wie Handwerker miteinander umgehen. Einmalig in Deutschland muss eine kleine Innung eine mächtige Handwerkskammer verklagen.

Alle Versuche einer gütlichen Einigung sind gescheitert. Dabei hat die Kammer es schriftlich, dass sie weder Geld dazu geben, noch haften muss. Sie soll nur moralisch genehmigen. Doch dazu im Anschluss mehr.

Bitte gestatten sie mir, daß ich mich kurz vorstelle.

Ich bin Peter Müller und Innungsobermeister der Friseure und Kosmetiker Altenburger Land.

In dieser Funktion, bin ich im Februar 2002, von der Denkmalspflege der Stadt Altenburg, gebeten worden, dass vom Verfall bedrohte Einzeldenkmal in Altenburg, Pauritzerstr. 2 zu besichtigen.

Ich traute meinen Augen nicht, als ich im Haus einen original erhaltenen Friseursalon von 1926 vorfand.

Alles war noch da. Original in Marmor eingebauter Herrensalon. Reklamebilder, Preislisten, Polizeiverordnungen zur Ausbildung von Lehrlingen, Zahnseife (unsere Vorgänger der Zahncreme, aus Kriegszeiten) Kosmetikflaschen, Seifendosen und vieles mehr. Der Damensalon genauso erhalten. Heißwellgeräte aus Omas Zeiten Onduliereisen Scheren u.s.w. Der damalige Friseurmeister hatte 1966 seinen Kittel ausgezogen und an den berühmten Nagel gehängt und so hängt er heute noch.

Nun war guter Rat teuer. Als der letzte Besitzer, welcher kein Friseur war, gestorben  ist, wollten die Erben die Einrichtung außerhalb der neuen Länder verscheuern.

Nun gab es zwei Möglichkeiten. Entweder es wiederum für Altenburg zu verlieren (es gab nach der Wende einen spektakulären Fall wo eine alte Drogerieeinrichtung gen Westen ging) oder es wie auch immer zu erhalten.

Die Frage war nicht so einfach zu beantworten, da das Haus in einem maroden Zustand ist. Dach und Dachstuhl hinüber. Wassereinbruch im ganzen Haus. Das Hintergebäude muss zu zweidrittel abgerissen werden. Trockenklo und kaputte Fenster. Der Kaufpreis war das Einfachste.

Aber dieser Salon passt nur in dieses Haus!!!

Für mich gab es nur eine Antwort. Die Innung muss das Haus kaufen!

Es war nicht einfach Innungsvorstand und später die Hauptversammlung von diesem Vorhaben zu überzeugen. Doch der Denkmalspfleger der Stadt Altenburg und ich haben es geschafft mit einer Gegenstimme und einer Enthaltung dem Kauf des Hauses zuzustimmen.

Der Notarvertrag, die Genehmigung der Handwerkskammer zu Ostthüringen und die Eintragung im Grundbuch sind erfolgt. Das Haus mit allen Kostbarkeiten ist für unsere Stadt und Ihre Bürger gesichert.

Nach der Veröffentlichung in der Presse und im Fernsehen hätten Sie die Reaktion der Altenburger erleben müssen. Ein richtiges WIR - Gefühl ist entstanden. Ich glaube fest an die Richtigkeit der Entscheidung.

Damalige Gespräche mit dem Oberbürgermeister, der Bauverwaltung, der Kreishandwerkerschaft, dem Arbeitsamt, GFAW Gera, dem Kulturreferat Stadt und Landkreis, der Museumsverwaltung eigentlich den für mich wichtigsten öffentlichen Einrichtungen und Personen sind erfolgt.

Als erstes arbeiteten zwei junge Studenten der Bauhausuniversität der Stadt Weimar und machen ein Aufmaß und eine Bestandsaufnahme. Beide haben Ihre Diplomarbeit darüber geschrieben.

Als zweite, wichtigste Maßnahme wurde das Dach mit Hilfe von 50,- T€ Fördermitteln gedeckt um den Wassereinbruch zu verhindern.

Ein Konzept steht.

Das Haus muß wieder hergestellt werden. Der Salon (teilweise zur Zeit ins Museum ausgelagert) soll wieder eingebaut und als Ausbildungsstätte für unsere Lehrlinge (Wasserwelle wie früher), Schauwerkstadt zu Stadtfesten wie Museumsnacht, Tag des offenen Denkmals, Altstadtfest u.s.w. wieder betrieben werden.

Darüber hinaus wird es eine Verbindung mit dem Museum und dem Touristikkonzept der Stadt Altenburg geben und der ganzen Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.

Leider haben sich vom Tag der ersten Besichtigung bis zum heutigem Stand der Nutzung die Fördermöglichkeiten durch Bund, Land und Stadt ständig verändert. Sollte anfänglich noch eine Herberge für Wandergesellen in den oberen Etagen entstehen, ist als einzige mögliche Förderung nur noch die Städtbauförderung geblieben.

Deshalb musste das Konzept den heutigen Fördermöglichkeiten angepaßt werden.

Die einzig verbliebene Fördermöglichkeit ist die Städtebauförderung. Diese verlangt zwingend eine Teilung zwischen rentierlich- und unrentierlichkeit.

Also muß in der zweiten Etage eine Wohnung vermietet werden.

In der ersten Etage sind Innungsräume zur eigenen Nutzung geplant.

Im Erdgeschoß soll der historische Friseursalon wieder (wie oben beschrieben) betrieben werden.

Unter dieser Maßgabe ist die Finanzierung seitens der Volksbank ABG wie folgt erfolgt.

1. Die Innung hat 25,- T€ Spendengelder ( Eigenmittel) gesammelt.

2. Ein Mietvertrag für die 2. Etage liegt mit einer 5 jährigen Bindefrist vor.

3. Die Fördermittelzusage von 62,5 T€ liegt vor.

4. Der Kreditvertrag 1 von 137,5 T€ ist unterschrieben und gesichert, durch 120,- T€       Grundschuld und 17,5 T€ Einzelbürgschaften verschiedener Innungsmitglieder.
Der Kreditvertrag 2 von 12,5 T€ ist unterschrieben und abgesichert, durch Abtretung von Sponsorenverträgen ( Sparkasse und EWA) in gleicher Höhe.

 Nun tritt das Satzungsrecht der Innung in Kraft. D.h. die Handwerkskammer zu Ostthüringen muß die Kreditaufnahme bewilligen.

 Hier beginnt unser Problem!

Die Handwerkskammer hat auch nach der zweiten Verteidigung der eingereichten Unterlagen die Genehmigung versagt. Damit sind nicht nur 5 Jahre harte Arbeit seitens der Innung weg, vielmehr auch die 62,5 T€ Fördermittel. Doch der schlimmste Schaden ist für unser Altenburg entstanden. Die Menschen können einfach nicht verstehen, daß eine Handwerkskammer, in welcher jeder Handwerker Pflichtmitglied ist, Aufträge in Höhe von 220,- T€ an einheimische Handwerker, bei einer Arbeitslosenquote von 18 % verhindern. Denn nach erfolgter Ausschreibung stehen die Sieger fest und warten nun vergeblich auf Auftragserteilung.

In allen Medien rufen die Kammern nach Auftragserteilung durch die öffentliche Hand. Auch sollen Handwerker  Mut zum Risiko beweisen.

Nun ist die Kammer in diese Rolle. Doch diese zeigt nicht die Vorbildwirkung für Ihre Mitglieder. Im Gegenteil! Sie scheut jegliches Risiko.

Im übrigen denke ich, das die Volksbank nur eine Unterschrift unter diesen Kreditvertrag setzt, wenn die Rückführung des Kredites gesichert ist.

Erschreckend war für mich, daß man mich zur zweiten Verteidigung mit der Baudezernentin der Stadt Altenburg und dem Vorstandsvorsitzenden der Volksbank Altenburg geladen hatte, aber beiden Vertretern den Zugang zur Verteidigung versagte. Beide mußten vor der Tür warten.

Drinnen warf man mir unsolide Finanzierung vor. Meine wiederholte Bitte, die Bank herein zurufen, lehnte man strickt ab.

Ich wurde mit folgenden Worten nach hause geschickt: " Lassen Sie sich den Kredit von Althaus genehmigen, wir tun es nicht!"

Nach der zweiten Ablehnung, durch die Kammer war unsere Innung gezwungen fristgemäß Klage beim Verwaltungsgericht Gera einzulegen.

Auch die Empfehlung des ZDH, eine gütliche Einigung herbei zu führen, wurde seitens der Handwerkskammer zurückgewiesen.

Ich denke das es ein gutes, einmaliges in Thüringen und sogar einmalig in Deutschland, umsetzbares Konzept ist. Dieses Haus muß mit all seinen Besonderheiten, dem Handwerk, unserer Stadt und seinen Bürgern erhalten bleiben.

 

Mit freundlichen Grüßen

Peter Müller
Innungsobermeister

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Veröffentlichung

Sa, 12. September 2009

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