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... und „Letscho“ zieht das große Los 450 Altenburger erleben eine tolle Show zugunsten des historischen Friseursalons

Ein roter Mund macht eine schlanke Taille, sagt René Koch. Blödsinn, oder? Dass man mit einem etwas weiter geschnittenen Kleidungsstück ein paar überflüssige Pfunde kaschieren kann, weiß jeder – aber mit Lippenstift? „Das ist doch ganz einfach. Wenn sie einen auffällig geschminkten Mund haben, schaut niemand mehr auf die Hüfte“, sagt Koch und lacht. Dieses einnehmende, gewinnende Lachen. Denn: „Sie müssen dem Kunden nicht nur die Tür öffnen, sondern auch das Herz. Sonst können sie keinen Menschen wirklich ehrlich beraten.“


Der Star-Visagist aus Berlin kann es. Sonst wäre er kein Star, den andere Stars wie Claudia Schiffer, Joan Collins oder Veronika Fischer buchen. Am Montag hatte ihn der Altenburger Friseurmeister Peter Müller „gebucht“ – für sage und schreibe 450 Skatstädter, vorwiegend weiblichen Geschlechts selbstverständlich. So viele nämlich füllten zur großen Style- und Fashion-Show den Goldenen Pflug. Erneut eine Veranstaltung zugunsten des historischen Altenburger Friseursalons, dessen Rettung, Restaurierung und Nutzung sich Peter Müller auf die Fahnen geschrieben hat. Insofern stimmt der Begriff „gebucht“ so nicht ganz. Wie alle Akteure des Abends trat auch René Koch ohne Gage auf. Er verschenkte seine Schminktipps und Ratschläge quasi, beispielsweise wie man mit dem Rouge fünf Jahre aus dem Gesicht pinselt oder Smokie-Eyes, den neuesten Make-up-Trend, zaubert.

 

 

Gezaubert haben der Star-Visagist sowie die Meisterin von Kamm und Schere der Firma Schwarzkopf, Katrin Brenn Hillmann, auch bei Antje Raedel. Die Altenburger Fachverkäuferin war nämlich auserkoren für die Vorher-Nachher-Show. Die 34-Jährige opferte dafür sogar ihr langes Haar und zeigte sich am Schluss mehr als zufrieden mit dem neuen Aussehen – einem schokobraunen, fransig geschnittenen Pagenkopf und ganz natürlichem Make up.

hier gehts zur Gallerie auf www.abg-net.de

 
Doch nicht nur Antje Raedel hatte ausgesprochen gute Laune an diesem außergewöhnlichen Abend, sondern auch Klaus Ehrlich, der durchs Programm führte. Locker, witzig, spontan. Denn das musste der MDR-Moderator – vor allem bekannt durch seine vier Mal pro Jahr ausgestrahlte Sendung „Mode mal Ehrlich“ – auch sein. Denn eigentlich war er in Altenburg eher auf die Moderation einer Modenschau eingestimmt worden, musste dann aber zumindest zu gleichen Teilen auch die neuesten Frisurentrends unters Volk bringen. Was damit zu tun hatte, dass die Firma Schwarzkopf zu den Hauptsponsoren des Abends gehörte. Komplettiert wurden die Models und Dressmen mit Brillen von Fielmann und Mode aus dem Modehaus Fischer. Auch sie machten mit ihrem Sponsoring den Abend erst möglich.

 

 

Und natürlich nicht zu vergessen: Peter Escher. In seiner MDR-Sendung war Namensvetter Peter, der Friseurmeister, zweimal zu Gast, weil die Sanierung des Friseursalons durch die Verweigerungshaltung der Handwerkskammer Ostthüringen bekanntlich ins Stocken geraten ist. Helfen in dieser verzwickten Situation konnte Escher zwar bislang noch nicht – der Fall liegt jetzt vor Gericht – doch er hat eine ungeahnte Hilfslawine losgetreten. Die große Tombola zur Frühlingsnacht 2007 mit Produkten von L’Oreal, das wiederholte Kommen von Klaus Ehrlich, jetzt die Show von Schwarzkopf Professional – all das hat der Fernseh-Moderator angeschoben. Er ließ es sich deshalb nicht nehmen, am Montag selbst nach Altenburg zu kommen. Prompt wurde ihm – weil so ein Mann natürlich nicht einfach nur im Publikum sitzen kann – die Ziehung der Gewinner der Beauty-Verlosung zugedacht.


Und kaum war der Fernseh-Moderator auf der Bühne, begann eine Dramaturgie, wie sie kein noch so guter Produzent oder Regisseur vorab in ein Drehbuch hätte schreiben können. Escher und Ehrlich warfen sich gegenseitig die Bälle zu, dass es eine wahre Freude war. Und dann der Clou: Altenburgs Bürgermeisterin Kristin Knitt zieht den Hauptgewinn: ein Beauty-Wochenende für zwei Personen nach freier Wahl in Deutschland, zur Verfügung gestellt von der Innungskrankenkasse. Und wer kam mit der Glücksnummer-Eintrittskarte auf die Bühne? Renate Gärtner. Jeder, der die besser als „Letscho“ bekannte Wirtin der Kneipe Zum alten Markt kennt, kann sich ungefähr das Hallo vorstellen, das in diesem Augenblick im Goldenen Pflug losbrach. Sie werde den Gewinn jemanden schenken, der es nötig habe, verkündete „Letscho“ schlagfertig.

 

 

Das freilich lässt sich ein Escher nicht zweimal sagen. Wenn’s eh verschenkt wird, könne man es ja an Ort und Stelle versteigern. Gesagt, getan. Den Zuschlag erhielt bei 400 Euro Gerd Beyer, Geschäftsführer des Friseurteams „Haarmonie“ aus Grimma. Dieser historische Friseursalon, so der Gewinner, sei eine solch tolle Sache, da müsse man einfach mitmachen.

Apropos Gewinner. Derer gab es viele an diesem Abend, aber zwei ganz besonders: den Friseursalon und die Stadt Altenburg. Rund 4000 Euro erbrachte die Fashion-Show für die Sanierung des Kleinods. Nicht in Geld aufzuwiegen ist die weitere Steigerung des Bekanntheitsgrads der Skatstadt. Axel Fischer, Junior-Chef des gleichnamigen Modehauses mit Hauptsitz in Taucha, war hin und weg angesichts der Show. Escher war bestimmt nicht das letzte Mal da, und Ehrlich kommt auf jeden Fall wieder. Im September nächsten Jahres will er eine komplette Sendung von „Mode mal Ehrlich“ in Altenburg drehen. Sendetermin: 3. Oktober 2008.

Der glücklichste Mensch des Abends aber hieß zweifellos Peter Müller. Und damit hatte nicht nur der Quasi-Kniefall von Escher vor dem Engagement des 55-jährigen Skatstädters zu tun. „Solche Leute wie Müller braucht das Land“, rief der Moderator unter dem Beifall von 450 begeisterten Altenburgern.       Ellen Paul

Kommentar

Nicht perfekt, aber ...

Ist das viel gebrauchte „einfach geil“ mittlerweile eigentlich salonfähig, vor allem an dieser Stelle? Egal, ich verwende es einfach mal, weil diese Worte wie keine anderen geeignet schienen, um den Montagabend im Goldenen Pflug zu beschreiben.

Denn es war beileibe nicht die beste Show ihrer Art. Schließlich schwebte über dem gesamten Abend durchaus der Hauch der Improvisation, gab es hier und da Beanstandenswertes. So merkte man den Models, die sonst nur ihren Kopf hinhalten, durchaus an, dass der Laufsteg eine andere Herausforderung ist. Auch fühlten sich die 20-Jährigen in der zum großen Teil für etwas „reifere“ Jahrgänge gedachten Mode offensichtlich nicht ganz wohl. Und auf der eigens installierten Leinwand war leider nicht viel mehr zu sehen als auf der Bühne.

Nein, dieser Abend war nicht perfekt. Doch er lebte von der Spontanität, den überraschenden Wendungen und vor allem vom Herzblut seiner Protagonisten vor und hinter der Bühne, ihrem Engagement für eine als gut erkannte Sache. Keiner noch so durchgestylten Show hätte man so viel Leben einhauchen können wie dieser.

Also, mit Verlaub: Es war die geilste Show des Jahres in Altenburg. Und wem das Wort dann doch nicht gefällt: Es war einfach toll.

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Veröffentlichung

Altenburg
Fr, 12. Dezember 2008

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