Inselzoo: Neuzugang bei den Erdmännchen — Gestatten: Otto Ohrlos
Meldung aus AltenburgEin Erdmännchen mit bewegter Vergangenheit und dem gewissen Etwas hat in Altenburg ein neues Zuhause gefunden. Den Neuzugang im Inselzoo übersieht man nicht so schnell – oder besser gesagt: etwas ganz Besonderes an ihm übersieht man nicht. Seit Kurzem lebt „Otto Ohrlos“ bei den Erdmännchen. Seinen Namen trägt er nicht ohne Grund: Otto fehlen die äußeren Ohrmuscheln.
Die ungewöhnliche Geschichte dahinter ist allerdings alles andere als amüsant. Otto wurde in seinem Heimatzoo bereits als sehr junges Erdmännchen von seinen Familienmitgliedern an den Ohren verletzt. Ganz nach dem Motto „Kurzer Prozess“ wurden ihm von der eigenen Verwandtschaft die äußeren Ohrmuscheln abgebissen. Hintergrund ist das durchaus raue Sozialleben dieser kleinen Raubtiere: Erdmännchen leben in streng organisierten Familienverbänden, in denen Rangordnung und soziale Stellung eine wichtige Rolle spielen. Konflikte können dabei mitunter heftig ausgetragen werden – in der Natur wie auch im Zoo. Und Otto sollte, wie es bei den putzig dreinblickenden Tieren üblich ist, aus der Gruppe verdrängt werden. Deswegen hat er auch eine neue Bleibe gesucht und wurde letztlich in Altenburg fündig.
Niedlich anzusehen, aber nicht zu unterschätzen
Erdmännchen gehören zu den absoluten Besuchermagneten eines jeden Zoos. Doch hinter der niedlichen Fassade steckt ein echtes kleines Raubtier, dessen Temperament oftmals unterschätzt wird.
Erdmännchen sind aktive Jäger und Allesfresser. Auf ihrem Speiseplan stehen unter anderem Insekten, Spinnen, Skorpione und andere kleine Tiere, seltener auch pflanzliche Nahrung wie Beeren, Wurzeln oder Knollen. Mit ihren kräftigen Krallen graben sie nach Beute und durchsuchen den Boden nach Fressbarem. Auch bei der Verteidigung ihres Reviers und innerhalb der Gruppe können sie ziemlich resolut auftreten.
Auch im Inselzoo musste Otto erst seinen Platz finden
Der Einzug in seine neue Gruppe verlief zunächst nicht völlig ohne Startschwierigkeiten. Wie bei einer neuen Wohngemeinschaft musste Otto erst herausfinden, wer hier das Sagen hat – und die anderen mussten ihrerseits klären, was sie von dem neuen Mitbewohner halten.
Dabei kam es auch zu kleineren Auseinandersetzungen und leichten Blessuren. Das mag für menschliche Maßstäbe zunächst ungewöhnlich wirken, gehört bei sozial lebenden Erdmännchen aber zum Teil ihrer natürlichen Kommunikation und Rangordnung. Eine Erdmännchengruppe ist schließlich kein kuscheliger Streichelzoo, sondern eine eng organisierte Gemeinschaft mit klaren sozialen Regeln – und wird von einem dominanten Weibchen, der Erdmännchen-Königin, geführt, die ganz klar das Sagen hat.
Inzwischen ist die Lage jedoch entspannt: Otto hat seinen Platz gefunden und ist ein vollwertiges Mitglied der Gruppe. Er lebt sich gut ein, beteiligt sich am Gruppenleben und ist gemeinsam mit seinen Artgenossen im Gehege unterwegs. „Besser hätte es für Otto Ohrlos nicht laufen können!“, berichtet Bianca Ebeler, Leiterin des Inselzoo.
Otto freut sich auf Besuch
Wer Otto kennenlernen möchte, sollte also ruhig einmal genauer hinschauen: Der fehlende, dunkle Ohrmuschelrand macht ihn unverwechselbar. Noch wichtiger ist aber, dass Otto heute dazugehört und Teil der Altenburger Erdmännchen-Gruppe ist. Ein kleines Happy-End für Otto!
Der Inselzoo lädt deshalb alle kleinen und großen Erdmännchen-Fans ein, Otto und seine tierischen Freunde zu besuchen und ihnen bei ihren täglichen Aktivitäten zuzusehen, zu beobachten und vielleicht bei einer Fütterung zu bestaunen, was die kleinen Kerlchen so alles verdrücken können.