Für Barrierefreiheit sensibilisiert: Rollstuhl-Tour durchs Zentrum
Meldung aus AltenburgWie herausfordernd der Alltag für Menschen im Rollstuhl sein kann, konnten kürzlich Vertreter mehrerer Fraktionen des Altenburger Stadtrates bei einer gemeinsamen Rollstuhl-Tour durch die Innenstadt selbst erleben.
Initiiert wurde der Termin von Iljana Jacob und Jan Hübner aus Ehrenberg. Ziel war es, die Teilnehmer für die Themen Barrierefreiheit und Barrierearmut zu sensibilisieren und ganz praktisch aufzuzeigen, welchen Hindernissen Menschen mit Mobilitätseinschränkungen im täglichen Leben begegnen.
Dabei wurde schnell deutlich, dass es oftmals vermeintliche Kleinigkeiten sind, die zu erheblichen Hürden werden können. Eine kleine Kante, die von Fußgängern kaum wahrgenommen wird, kann mit dem Rollstuhl nur schwer oder gar nicht zu überwinden sein. Schmale Durchgänge, ungünstig platzierte Hindernisse oder fehlende Absenkungen erschweren die Fortbewegung zusätzlich. Auch beim Einkaufen zeigen sich Einschränkungen, etwa wenn Waren so hoch angebracht sind, dass sie aus dem Rollstuhl heraus nicht erreichbar sind und die Betroffenen auf die Hilfe anderer angewiesen sind.
Die Tour bot den Teilnehmern die Möglichkeit, die Perspektive zu wechseln und bestehende Barrieren unmittelbar selbst wahrzunehmen. Zugleich wurde deutlich, dass Barrierefreiheit nicht allein eine Frage großer baulicher Maßnahmen ist. Oft können bereits kleinere Veränderungen dazu beitragen, den Alltag für Menschen mit Einschränkungen spürbar zu erleichtern.
Besonders eindrücklich war dabei eine Erkenntnis: Für die meisten Teilnehmer endete der Perspektivwechsel nach der Tour. Sie konnten aus dem Rollstuhl aufstehen und anschließend wieder ihrem gewohnten Alltag nachgehen. Menschen, die dauerhaft auf einen Rollstuhl angewiesen sind, haben diese Möglichkeit nicht. Für sie gehören die während der Tour erlebten Hindernisse zum täglichen Leben.
Der Stadt Altenburg ist bewusst, dass es auf dem Weg zu mehr Barrierefreiheit noch viel zu tun gibt. Der Investitionsstau bei Straßen, Wegen und Plätzen ist erheblich und wird die Stadt noch viele Jahre beschäftigen. Nicht alle bestehenden Barrieren können daher kurzfristig beseitigt werden. Bei Neubau- und Sanierungsmaßnahmen wird das Thema Barrierefreiheit jedoch mitgedacht und bei der Planung entsprechend berücksichtigt.
Die Stadt Altenburg dankt den beiden Initiatoren für ihr Engagement und die zahlreichen Hinweise sowie allen Teilnehmern, die sich auf diesen Perspektivwechsel eingelassen und die Herausforderungen selbst erfahren haben. Die gewonnenen Eindrücke sollen dazu beitragen, das Bewusstsein für Barrierefreiheit weiter zu schärfen und bei künftigen Planungen noch stärker auf die alltäglichen Bedürfnisse von Menschen mit Mobilitätseinschränkungen zu achten.