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Denkmalpreise vergeben - Ehrung am 9. September

In diesem Jahr wird der nach dem barocken Altenburger Ratsbaumeister Johann-Georg Hellbrunn benannte städtische Denkmalschutzpreis nun schon zum 25. Male vergeben. Die Stadt Altenburg gehört damit zu den wenigen Städten in der Bundesrepublik, die einen eigenen Denkmalschutzpreis verleihen.

Die Jury zur Vergabe des Denkmalschutzpreises traf sich in diesem Jahr am 2. August, um über die eingereichten Vorschläge zu befinden.

Mitglieder der Jury  waren:
Andrea Schappmann                     Vertreterin des Sponsors
Jutta Penndorf                         Sozial- und Kulturausschuss
Thomas Moewes                            Kreishandwerksmeister
Peter Müller                             Stadtentwicklungsausschuss
Jürgen Fröhlich                      Untere Denkmalschutzbehörde

In diesem Jahr wurden fristgerecht drei Vorschläge für den Denkmalpreis eingereicht.
Der Preisträger des Denkmalschutzpreises und die beiden Anerkennungsurkunden werden mit Geldpreisen geehrt. Das erforderliche Preisgeld in Höhe von insgesamt 3.500 Euro wird auch in diesem Jahr dankenswerterweise wieder von der Ewa (Energie- und Wasserversorgung Altenburg) bereitgestellt.

Wie bereits in den letzten Jahren praktiziert, wurden die vorgeschlagenen Objekte auch in diesem Jahr zur Entscheidungsfindung besichtigt.

Nach der Objektbesichtigung wurden durch die Jury folgende einstimmige Entscheidungen getroffen:

Der „Johann-Georg-Hellbrunn-Preis“ der Stadt Altenburg soll im Jahre 2022 an Enrico Landgraf aus Borsdorf für seine vorbildlichen Leistungen zur Erhaltung und Pflege des Kulturdenkmals Carl-von-Ossietzky-Straße 13, der sogenannten „Gnadenkapelle“, vergeben werden.

Das Gebäude der heutigen „Gnadenkapelle“ wurde in den Jahren 1868/69 nach Plänen des Altenburger Baumeisters Emil Lauer für die katholische Kirchgemeinde der Stadt Al-tenburg errichtet. Die Grundsteinlegung fand am 04.Juli 1868 an der Ecke Bernhardtstraße/Hohe Straße heute Ecke Carl-von-Ossietzky-Straße/Haeckel- straße statt. Die Gnadenkapelle gehört somit zu den ersten Neubauten in der damals neu angelegten Straße. Das Gebäude wurde von der Straßenfront zurückgesetzt und als freistehender Baukörper in einem ca. ein Meter oberhalb des Höhenniveaus der Straße gelegenen Gartengrundstück errichtet. Hierdurch wurde der besonderen Bedeutung des Kirchengebäudes inmitten einer gründerzeitlichen Wohnstraße mit vorwiegender Blockrandbebauung Rechnung getragen. Der Neubau wurde durch die Stadt Altenburg mit 200 Talern unterstützt und Herzog Ernst I spendete 50 Taler für die Glocke. Im Jahre 1869 wurde die Kirche unter dem Namen „Epiphania Domini – Erscheinung des Herrn“ eingeweiht. Die katholische Gemeinde nutzte die Kirche bis zum Jahre 1950 und wechselte dann wegen des stetigen Anwachsens der Anzahl der Gemeindemitglieder an den heutigen Standort in der Frauengasse. Ab 1950 bis zum Jahre 2004 wurde die Gnadenkapelle von der evangelischen Kirchgemeinde Al-tenburg genutzt.

Nach 13 Jahren Leerstand erwarb Herr Enrico Landgraf aus Borsdorf bei Leipzig im Jahre 2017 das sanierungsbedürftige Gebäude. In enger Abstimmung und konstruktiver Zusammenarbeit mit dem Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie und der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Altenburg hat Herr Landgraf mit Hilfe vieler Altenburger Handwerksbetriebe das Kulturdenkmal Gnadenkapelle samt der zur originalen Ausstattung gehörenden bauzeitlichen Bleiglasfenster und der wertvollen Poppe-Lahmann-Orgel sowie der gründerzeitlichen Grundstückseinfriedung mit Stützmauer und schmiedeeisernen Schmuckzaun in fünf Jahren Bauzeit  komplett denkmalgerecht instandgesetzt und restauriert. Die schlichten mit einem gründerzeitlichen Glattputz und dezenten geputzten Dekorelementen versehenen Fassaden wurden nach denkmalfachlichen Vorgaben erhalten und instandgesetzt und im bauzeitlichen Originalfarbton einfarbig gestrichen. Der vor Jahrzehnten entfernte Dachreiter in Form eines kleinen Glockentürmchens wurde in einer schlichten modernen Formensprache wiedererrichtet. Bei der Instandsetzung der Innenräume war der große Kirchensaal im Obergeschoss mit seiner Orgelempore und der historischen Orgel sowie den farbigen Bleiglasfenstern von besonderer Bedeutung. So wurde zum Schutz der wertvollen Fenster und wegen des Raumklimas auf den Fensterinnenseiten eine schlichte zweite Fensterebene eingebaut. Die historische Poppe-Lahmann-Orgel wurde in mühevoller und zeitaufwändiger Kleinarbeit durch die bekannte Orgelbaufirma Eule aus Bautzen restauriert. Am Sonnabend den 10. September, wird die Orgel nach vielen Jahren Stille erstmals wieder im Rahmen eines Orgelkonzertes zu hören sein.

Mit seinem außerordentlichen persönlichen Engagement für die Rettung, Sicherung und Instandsetzung der Gnadenkapelle hat Enrico Landgraf eine vorbildliche Leistung zur Erhaltung und Pflege dieses Kulturdenkmals erbracht, welche zurecht mit dem Denkmalschutzpreis der Stadt Altenburg Johann-Georg-Hellbrunn-Preis“ im Jahre 2022 gewürdigt wird. Zugleich hat er damit einen neuen alten Veranstaltungsort für die Altenburger und die Gäste unserer Stadt geschaffen.

Wegen dieser besonderen Leistung fordert die Jury die Stadt Altenburg auf, Enrico Landgraf für den Thüringer Denkmalschutzpreis im Jahre 2023 vorzuschlagen.

Die Eheleute Ute und Rolf Möhl sollen für ihre vorbildlichen Leistungen zur Erhaltung und Pflege des Kulturdenkmals Lindenaustraße 21 mit einer Anerkennungsurkunde ausgezeichnet werden.

Im Zuge der in den 1860er Jahren beginnenden Stadterweiterung wurde im Bereich der damaligen Lindenauschen  Gärten die heutige Lindenaustraße geplant und angelegt. In der Folgezeit wurden an dieser Straße auf großzügigen Grundstücken repräsentative gründerzeitliche Etagenwohnhäuser errichtet. Das Haus auf dem heutigen Grundstück Lindenaustraße 21 wurde laut der herzoglichen Bauregistratur im Jahre 1866 nach Plänen des Altenburger Baumeisters C.W.E. Träger für den Rentier und Mühlenbesitzer in Münsa Robert Emil Jakob erbaut. In den folgenden Jahrzehnten wechselte das Haus mehrfach den Besitzer und wurde dabei auch mehrfach umgebaut und mit einem rückwärtigen Anbau erweitert. Das äußere Erscheinungsbild des zweigeschossigen frei stehenden Wohnhauses wird durch seine regelmäßig gegliederte Putzfassade im Stile des Neoklassizismus und durch das flach geneigte Walmdach mit Schiefereindeckung geprägt. Im Jahre 2021 haben die Eheleute Möhl als Eigentümer des Hauses die Fassade und das Dach nach denkmalpflegerischen Vorgaben instandsetzen lassen.  Damit haben die Eheleute Möhl eine vorbildliche Leistung zur Erhaltung und Pflege eines Kulturdenkmals erbracht.
Die Kolbe und Günther GbR mit den Herren Mario Kolbe und Sebastian Günther soll  für ihre vorbildlichen Leistungen bei der Fassadeninstandsetzung des gründerzeitlichen Wohnhauses Stiftsgraben 22c mit einer Anerkennungsurkunde geehrt werden.

Im Jahre 1899 wurde durch das Herzogliche Bauamt die Baugenehmigung zum Neubau eines Wohnhauses für die Herren Meinhard und Enke auf dem heutigen Grundstück Stiftsgraben 22 c erteilt. Die Baugenehmigung war mit der Auflage versehen, dass die Baufluchtlinie der Bebauung des Stiftsgrabens zwingend einzuhalten sei. Zu dieser Zeit entstanden im Zuge der gründerzeitlichen Stadterweiterung beidseitig des östlichen Endes des Stiftsgrabens große Etagenwohnhäuser.  Die Straßenfassade des zu dieser Bebauung gehörenden Hauses Stiftsgraben 22 c wurde im Stil der Gründerzeit mit einem bossierten geputzten Sockelgeschoss und einer Klinkerverblendung  mit profilierten geputzten Fenstereinfassungen und Simsen in den darüber liegenden Geschossen gestaltet. Nach jahrelangem Leerstand und fortschreitenden Verfall hat die Kolbe & Günter GbR das Haus im Jahre 2020 erworben und danach komplett instandgesetzt. Die Schmuckfassade wurde einschließlich der Fenster und der Hauseingangstür nach denkmalpflegerischen Vorgaben nach dem historisch überlieferten Erscheinungsbild instandgesetzt.
Damit haben die Herren Kolbe und Günter eine vorbildliche Leistung bei einer Fassadeninstandsetzung vollbracht. Bereits im Jahre 2021 hatten sie den Denkmalschutzpreis der Stadt Altenburg für die denkmalgerechte Instandsetzung der Wohnhäuser Südstraße 14/16/18 erhalten.

Allen Teilnehmern, Einreichern der Vorschläge und Sponsoren wird gedankt.


Die Preisverleihung und die Übergabe der Anerkennungsurkunde erfolgen durch den Bürgermeister der Stadt Altenburg im Rahmen des Eröffnungskonzertes zum „Tag des offenen Denkmals“ 2022 am 9. September 2022 um 19.30 Uhr in der Brüderkirche zu Altenburg.

 

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Veröffentlichung

Fr, 02. September 2022

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